30 Jahre Theaterverein Götzens – historischer Rückblick des Vereinsgründers Werner Singer
Es dürfte kaum bekannt sein, dass Götzens auf eine alte Volksschauspieltradition zurück blicken kann. Schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in unserer Gemeinde im Zuge der religiösen Erneuerung, bis zum Verbot der zahlreichen religiösen Schauspiele im Lande durch Kaiser Josef II., die Spiele “Die Apostelfürsten Petrus und Paulus“, „Der verstockte Sünder“, „Der heilige Alexius“ mehrfach aufgeführt. Wo die Theateraufführungen stattfanden – möglicherweise in einer Tenne – ist nicht mehr bekannt.
Der älteren Generation unseres Dorfes sind die ausgezeichneten Aufführungen der Volksspielgruppe des katholischen Arbeitervereines im ersten Stock des ehemaligen Gasthofes Altwirt am Kirchplatz unter dem damaligen Pfarrer Andreas Kohler in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch in guter Erinnerung.
Ebenfalls sind die Aufführungen der Kindergartenspielgruppe im St. Josefsheim unter der verdienstvollen Schwester Josefine Angerer und der Spielgruppe der Volksschule unter der Leitung von Schwester Magdalena Mall unvergessen.
Schließlich denken wir noch gerne an die Theateraufführungen des Männergesangsvereines D`Velleberger, unter Volksschuldirektor Vinzenz Haas, im Saal des Gasthauses Neuwirt in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg. Die letzte Aufführung dieser Gruppe fand 1965 statt.
Dann ruhte das Theaterwesen in Götzens rund 20 Jahre lang. Als ich dann im April 1974 Bürgermeister von Götzens wurde, nahm ich mir vor, Voraussetzungen für die Wiedererstehung des Theaterwesens in Götzens zu schaffen und einen Theaterverein zu gründen. Im Gemeindezentrum, welches im September 1977 seine Pforten öffnete, ließ ich einen Saal mit Bühne einplanen. Somit waren die räumlichen Voraussetzungen für das Theaterspielen gegeben. Es fehlte nur noch der Theaterverein.
Einige Male veröffentlichte ich im „Götzner Gemeindeboten“ Aufrufe, dass sich am Theaterspielen interessierte Personen bei mir melden mögen, der Erfolg war jedoch mäßig.
Um schneller ans Ziel zu gelangen, sprach ich in der Folge verschiedene Personen persönlich an, um sie für einen zu gründenden Theaterverein zu gewinnen. Dies war, wie es sich heraus stellte, der richtige Weg. Für den 21.3.1985 lud ich diesen Personenkreis gemeinsam mit dem Bezirksobmann des Tiroler Theatervereines, Herrn Gamper Siegfried aus Axams ins Gemeindeamt ein, um die Gründung eines Theatervereines zu besprechen. Dabei sicherte ich dem zu gründenden Verein meine volle Unterstützung zu, betonte jedoch ausdrücklich, dass ich aus Zeitgründen für die Obmannfunktion nicht zur Verfügung stehen werde.
Einige Wochen später hat sich der Verein konstituiert, er setzte sich aus rund 20 Mitgliedern zusammen. Der erste Vorstand bestand aus folgenden Personen:
Obfrau: Andrea Volderauer (Seppi), Stellvertreter: Werner Singer
Spielleiterin: Hornsteiner Brigitte, Stellvertreter: Kindl Hubert
Kassierin: Renate Weithaler (Holzmann), Stellvertreter: Payr Karl
Schriftführerin: Vroni Mair (Volderauer), Stellvertreterin: Viktoria Volderauer
Saalwart: Haller Alois, Rechnungsprüfer: Waltraud Hofer und Jenewein Ingrid.
Im Herbst 1985 trat der neue Verein mit dem 3-Akter „Kurbetrieb beim Kräuter Blasi“ erstmals öffentlich auf, nachdem vorher noch im Eilverfahren neue Kulissen angeschafft werden mussten.
Der Theaterverein ist aus dem Vereinsleben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken.